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"Altersarmut ist weiblich" , Vortragsreihe 2017

Der KreisLandFrauenverband Wittmund, organisierte auf Initiative von Frau Hermanda Harms, ehemalige 1. Vorsitzende des KreisLandFrauenverbandes Wittmund,  gemeinsam mit der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises, Frau Karin Garlichs und unterstützt von der Sparkasse LeerWittmund die Vortragsreihe „Altersarmut ist weiblich“.

Die Vorträge waren für alle Frauen im erwerbstätigen Alter gedacht. Vier Veranstaltungen jeweils in Wittmund, Esens, Westerholt und die letzte in Friedeburg wurden durchgeführt und waren sehr gut besucht. Der Eintritt war frei.

Bei der Eröffnungsveranstaltung am 18.10.2017 im Konferenzsaal der Sparkasse betonte Herr Carsten Rinne, Vorstand der Sparkasse LeerWittmund, das Armut ein Thema ist, das uns zur Zeit täglich berührt. Landrat Holger Heymann bekräftigte in seiner Begrüßungsansprache diese Aussage. Besonders Frauen seien leider durch die Familienbetreuung nicht gut abgesichert. Die Gleichstellungsbeaurtragte des Landkreises Frau Karin Garlichs und die 1. Vorsitzende des KreisLandFrauenverbandes Frau Imke Janssen begrüßten die Teilnehmerinnen und wünschten der Vortragsreihe einen guten Verlauf. Beide wiesen auf die Dringlichkeit einer umfassenden Altersvorsorge für Frauen hin.

Als Referenten standen Frau Claudia A. Lambertus, Rechtsanwältin beim Sozialverband Deutschland in Aurich und Herr Viktor Winisch, Altersvorsorge-Spezialist der Sparkasse zur Verfügung. Frau Lambertus informierte anschaulich und gründlich über die Auswirkungen auf die Rentenhöhe durch jahrelange Teilzeitarbeit, Ausübung von Minijobs und nicht sozialversicherungspflichtiger Arbeit. Diese Auswirkungen – belegt durch anschauliches Zahlenmaterial – sind einschneidend und führen in sehr vielen Fällen zu Rentenbezügen, die einen angemessenen Lebensstandard in keinster Weise ermöglichen. Durch den Verlust des Ehepartners durch Tod oder Scheidung wird die zu erwartende Rentenhöhe ebenfalls verringert, besteht dann kann ausreichender eigener Rentenanspruch ist die Altersarmut vorprogrammiert. 63 % der Frauen bekommen weniger als 650 € Rente.


Das Foto wurde uns freundlicherweise von Gritje Peters, "Anzeiger für Harlingerland" zur Verfügung gestellt.
von links
:
Viktor Winisch, Claudia A. Lambertus, Karin Garlichs, Imke Janssen, Holger Heymann, Carsten Rinne


Die präsentierten Zahlen waren eindeutig und erschreckend.
Frauen stehen nach wie vor häufig vor der Entscheidung, sich entweder für eine ausreichende Altersversorgung zu entscheiden oder das Wagnis einzugehen, in einer Ehe oder Lebensgemeinschaft die häuslichen Aufgaben, Kindererziehung und ggfs. Pflege von Familienmitgliedern, mit allen Konsequenzen zu wagen.

Frauen verdienen für gleiche Arbeit und für gleiche Qualifzierung immer noch deutlich weniger als Männer und die Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Familie, Schwierigkeiten bei der Rückkehr ins Arbeitsleben und der Mangel an familienfreundlichen Arbeitsplätzen bleibt nach wie vor ein großes Hindernis, angemessene Rentenansprüche zu erwerben. Außerdem entscheiden sich Frauen sehr häufig für Berufe im sozialen oder pflegerischen Bereich, die im Vergleich zu anderen Berufen deutlich schlechter bezahlt werden. Das machte Frau Lambertus sehr deutlich.

Die von Herrn Winisch vorgestellten Möglichkeiten – Riesterrete, Betriebsrente oder Sparbuch - Abhilfe in diesem Dilemma zu schaffen, waren einleuchtend und umsetzbar. Je eher damit begonen wird, umso einfacher ist es, auch bei geringem finanziellen monatlichen Einsatz für das Alter vorzusorgen und so das monatliche Einkommen im Alter wenigstens aufzubessern. Bei einem geringen Einkommen bleibt leider auch nicht viel übrig, um für das Alter vorsorgen zu können. Die rege Nachfrage nach Einzelheiten in der Umsetzung der Vorschläge des Altersvorsorge-Spezialisten machten das Interesse der Frauen deutlich.

Die weiteren Veranstaltungen folgten am 01.11.2017 in Esens, 16.11.2017 in Westerholt. Bei diesen Veranstaltungen begrüßte Frau Imke Janssen, 1. Vorsitzende des KreisLandFrauenverbandes die Referenten und Gäste. Die letzte Veranstaltung in Friedeburg am 30.11.2017 betreute Frau Johanna Lübbers, stellvertretende Vorsitzende des KreisLandFrauenverbandes.

In den sich bei allen Vortragsabenden anschließenden Gesprächen wurde übereinstimmend deutlich, dass Abhilfe aus diesem Dilemma nur gefunden werden kann, wenn Rahmenbedingunen geschaffen werden, die es Frauen ermöglichen, ihre Fähigkeiten im Berufs- bzw. Erwerbsleben einzusetzen, um eine eigenständige Alterssicherung zu erreichen. Darüber hinaus sollte so frühzeitig wie möglich den jungen Leuten vermittelt werden, wie wichtig Alterssicherung ist und welche unabänderlichen Konsequenzen es hat, das zu ignorieren.

Zum Schluss der letzten Veranstaltung in Friedeburg erklärte Frau Johanna Lübbers, dass es dem KreisLandFrauenverband ein wichtiges Anliegen ist, sich weiterhin nachhaltig und ausdauernd für die berechtigten Forderungen und Rechte der Frauen einzusetzen und bei der konsequenten Umsetzung der erreichten Ziele mitzuarbeiten. Ihren Dank für die Durchführung dieser Vortragsveranstaltung richtete sie an die beiden Referenten und nochmals an den Landkreis Wittund und an die Sparkasse, die diese Vortragsreihe ermöglicht haben.


  von links: Frau Johanna Lübbers, Herr Viktor Winisch, Frau Claudia A. Lambertus